Ökologie13.07.2015

Päpstliche Enzyklika - Betreiben wir “Selbstmörderische Zerstörung” von Klima und Umwelt?

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Noch nie hat ein Kirchenoberhaupt zu Fragen von Umwelt, Klima und Energie so deutlich Position bezogen. In seinem “Ökomanifest” sieht Papst Franziskus die Erde auf dem Weg in eine Reihe von Katastrophen. Provokativ prangert er in erster Linie den Klimawandel sowie die Zerstörung unserer Umwelt an und fordert eine rasche Abkehr von fossilen Energieträgern. Diese Mahnung ist ein zentraler Punkt in seinem Weltrundschreiben “Laudato si”, das der Papst jetzt veröffentlicht hat. Naheliegender Ausweg ist eine nachhaltige Senkung des Energieverbrauchs.

An stetig steigende Temperaturen, an das Schmelzen der Pole oder die global rasant zunehmenden CO₂-Werte haben wir uns beinahe schon gewöhnt. In regelmäßigen Abständen veröffentlichen Medien die entsprechenden “Wasserstandsmeldungen”. Und wenn nicht gerade ein Weltklimagipfel ansteht, verschwinden die eigentlich beunruhigenden Daten ohne nachhalttge Wirkung in den Archiven oder ziehen bestenfalls die ein oder andere kuriose Meldung nach sich. Ein halbes, ein Prozent oder auch etwas mehr oder 0,5 Grad höhere Temperatur-Durchschnittswerte? Alles kein Thema. Und wenn es in einem kühlen Sommer länger regnet, fragen wir uns vielleicht:  “Wo bleibt die Hitze, wo der Klimawandel?” Alles ziemlich weit weg.

In seiner neuen Enzyklika fordert Papst Franzikus eine rasche Abkehr von den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas und geht angesichts der Erderwärmung mit den Verursachern hart ins Gericht: “Wenn jemand die Erdenbewohner von außen betrachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint”, schreibt Franziskus und bezeichnet den Klimawandel als “eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit”. Das Schreiben könnte der UN-Klimakonferenz im November einige Aufmerksamkeit bescheren.

Auch wenn Kritiker dem katholischen Kirchenoberhaupt bisweilen Heuchlerei vorwerfen und die deutschen Feuilletons vereinzelt zynisch sticheln, steht fest: Allein in Deutschland sind unsere Häuser für etwa ein Drittel aller CO₂-Emissionen und rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich. In einigen Ländern sind die entsprechenden Werte vielfach höher. So geht wertvolle Energie verloren. Bei einem freistehenden Haus im Durchschnitt allein über die Gebäudehülle ein Viertel der gesamten Heizenergie, bei Häusern mit noch größeren Fassadenflächen (Mehrfamilienhäuser) mit bis zu 40 Prozent noch wesentlich mehr. Auch wenn moderne Anlagen Wärme heute effizienter erzeugen können, entweicht diese Energie zu einem großen Teil in die Atmosphäre, wenn Dach und Wände diese Energie nicht im Haus halten. Und dann trägt auch diese, eigentlich effektiv erzeugte Wärme, ebenfalls zur allseits beklagten Klimaerwärmung bei.

Stellen wir uns nur einmal vor, wir hätte sämtliche Gebäude in Deutschland zumindest auf den technischen Stand von 2009 (als auf das Niveau der Energie-Einsparverordnung von vor sechs Jahren!) gehoben, hätten wir fast doppelt soviel Energie gespart, wie alle deutschen Kernkraftwerke im Jahr produzieren!  Andererseits gibt es auch bessere Nachrichten: In den letzten 15 Jahren wurden bundesweit mehr als eine Milliarde Quadratmeter Fassadendämmung angebracht. Allein diese Maßnahme hat laut Forschungsinstitut für Wärmeschutz fast 100 Milliarden(!) Liter Heizöl eingespart und so 280 Millionen Tonnen an CO₂-Emissionen vermieden.

Der Papst hat nur Recht, wenn er uns in Gewissen redet. Gerade wenn Politiker, aus welchen Gründen auch immer, an ihre Grenzen stoßen oder die Dramatik dieses Themas unterschätzen, ist die eindringliche Mahnung einer übergeordneten Instanz es von großer Bedeutung. Der Aufruf des Papstes, gegen den Klimawandel zu  kämpfen, spiegelt nicht nur die allgemeinen Erkenntnisse der Wissenschaft wider. Er ist auch ein moralischer Weckruf. Haben wir uns doch schon fast damit abgefunden, dass Politiker und manche Industrievertreter dieses für uns alle überlebenswichtige Thema schlichtweg auszublenden scheinen.

Mahnen und gleichzeitig Hoffnung zu geben, zählt zu den zentralen Aufgaben eines Kirchenoberhauptes. Man muss Franziskus dankbar sein, dass er damit auch das Denken in der Kirche radikal auf eine neue Ebene hebt. Nachhaltigen Erfolg werden seine Mahnungen wohl aber nur haben, wenn sie weit über die katholische Kirche hinaus ihre Wirkung entfalten.

Unsere Frage zur Diskussion: Ist das Thema Klimawandel ein angebrachtes Thema für eine päpstliche Enzyklika?
Ist es legitim, wenn sich das Oberhaupt einer Kirche detailliert mit Fragen des Umweltschutzes befasst? Betreiben wir “selbstmörderische Zerstörung”? Dann stimmen Sie mit “JA!”
Oder betreibt der Papst Populismus? Wird das Problem übertrieben und die Rolle des Menschen beim Phänomen Klimawandel überschätzt? Dann stimmen Sie mit “NEIN!”

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