Basiswissen27.04.2015

Energetisch sanieren: Wo fange ich an?

Wer einen Altbau energetisch saniert, will Heizkosten sparen. Doch womit anfangen: mit dem Austausch der alten Heizung oder mit der Dämmung?

Dämmung oder Heizung: Was kommt zuerst?

Durch eine neue Heizung lässt sich bereits bei der Wärmeerzeugung Energie einsparen. Denn heutige Heizkessel haben viel geringere Vorlauftemperaturen als alte Modelle. Bei modernen Brennwertkesseln wird selbst die Wärmeenergie der Verbrennungsabgase noch zum Heizen genutzt. Selbst die effizientesten Anlagen nutzen aber wenig, wenn sie konstant am Maximum arbeiten, weil die zwar nun effizient erzeugte Wärme durch ungedämmte Dächer, Wände und Fenster schnell wieder verpufft. „Dämmung oder moderne Heizung?“ ist also eigentlich gar nicht die Frage. Zu einem Energiesparhaus gehört in der Regel beides. Doch was, wenn man zunächst nur eine der beiden Maßnahmen ergreifen kann?

Erst unnötigen Verbrauch senken, dann effiziente Erzeugung angehen

Häufig müssen Bauherren entscheiden, welches Projekt Priorität hat. Patentrezepte gibt es da leider nicht. Es kommt immer auf den konkreten Zustand des jeweiligen Altbaus an. Bevor man einfach loslegt, sollte man unbedingt Fachleute zu Rate ziehen – zum Beispiel einen qualifizierten Energieberater. Vorhandene Bausubstanz und Heiztechnik sollten vor Ort auf Herz und Nieren durchgecheckt werden.

Im schlimmsten Fall kommt dabei heraus, dass der Heizkessel ein uralter Energiefresser ist und die Außenwände ungedämmt sind. Und was dann? Es kommt auf die Details an. Prinzipiell diktiert die Bauphysik jedoch einen einfachen Grundsatz: Auch eine veraltete Heizung kann sparsam betrieben werden, wenn sie vernünftig eingestellt wird und vor allem weniger Energie erzeugen muss. Das heißt: Zunächst sind Maßnahmen anzugehen, die den Energieverbrauch des Hauses senken, wie z. B. eine zeitgemäße Fassadendämmung.

Gerade bei Häusern, die früher als 1984 erbaut wurden – vor Inkrafttreten der zweiten Wärmeschutzverordnung – ist die Gebäudehülle häufig sehr wärmedurchlässig. Dann bietet sich eine Wärmedämmung als erster Schritt an, besonders, wenn ohnehin eine Erneuerung der Fassade fällig ist, weil so die sog. „Einmalkosten” beispielsweise für Gerüst und Farbe nur einmal anfallen und sich die Modernisierungsmaßnahme so deutlich schneller amortisiert.

Es hat grundsätzlich einen weiteren Vorteil, mit dem Dämmen zu beginnen: Man kann die neue Heizung später exakt an den verringerten Heizwärmebedarf des Hauses anpassen. Wird dagegen zuerst die Heizung angeschafft, besteht die Gefahr, dass diese im Nachhinein zu groß dimensioniert ist und weiterhin unnötig Geld, Platz und Ressourcen verbraucht.

Sanieren mit Plan

Doch auch beim Dämmen selbst stellt sich erneut die Frage: Womit anfangen? Da warme Luft nach oben steigt, geht über ein ungedämmtes Dach häufig am meisten Heizwärme verloren. Deshalb dämmt man üblicherweise im ersten Schritt die Dachflächen oder – bei unbeheizten Dachböden – die oberste Geschossdecke. Dann erst folgt in der Regel die Fassade und im Anschluss gegebenenfalls die Kellerdecke.

Ein durchdachter Modernisierungsplan ist wichtig. Allerdings gibt es noch einen weiteren Faktor zu bedenken: Häufig können Hausbesitzer gar nicht frei entscheiden. Manch einer wünscht sich vielleicht nur eine neu verputzte Fassade, wird aber von der EnEV dazu verpflichtet, bestimmte Wärmeleitwerte zu erreichen, was häufig nicht ohne Dämmung möglich ist. Auch für Heizkessel, die vor 1985 eingebaut wurden, sieht die aktuelle EnEV eine Austauschpflicht vor.

Die Reihenfolge beim energetischen Sanieren hängt also stets vom konkreten Einzelfall ab. Ist aber ohnehin eine Komplettsanierung geplant, dann lautet die Faustformel: erst Dämmung dann Heizung. Das wird Ihnen ein zertifizierter Energieeffizienz-Experte bestätigen.

 

 

 

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